Dr. Friedrich Papenhagen ist Kartoffelzüchter aus Leidenschaft. Der 84-Jährige hat sich während seiner Tätigkeit bei dem Unternehmen Norika voll und ganz der Kartoffelzüchtung verschrieben und konnte gemeinsam mit dem Norika-Team so zahlreiche Kartoffelsorten entwickelt, die letztlich auch für den Anbau zugelassen wurden. Eine dieser Kartoffelsorten ist die Gala, die durch das Engagement des gesamten Norika-Teams in 2002 zugelassen werden konnte – und das, obwohl erst nach der Wende mit deren Züchtung begonnen werden konnte.

Du fragst dich, warum wir Dir das erzählen? Die Gala ist eine unserer liebsten Kartoffelsorten, wenn es um die Zubereitung von Knödelspezialitäten geht. Deshalb hat Andre Nadler, unser Leiter Kartoffeleinkauf, Dr. Friedrich Papenhagen mal einen Besuch abgestattet und etwas genauer nachgehakt – denn ohne Gala gibt’s keine Knödel.

M. Sc. Martin Sloksnat, Dr. Bernd Truberg, Dr. Friedrich Papenhagen und Dr. Katja Muders von Norika (v.l.) im Gespräch mit Andre Nadler, Leiter Kartoffel-Einkauf von Burgis (2.v.r.).

M. Sc. Martin Sloksnat, Dr. Bernd Truberg, Dr. Friedrich Papenhagen und Dr. Katja Muders von Norika (v.l.) im Gespräch mit Andre Nadler, Leiter Kartoffel-Einkauf von Burgis (2.v.r.).

 

Wann haben Sie angefangen, Kartoffeln zu züchten? Warum hat es Ihnen gerade die Kartoffel so angetan?

Kartoffeln stammen ursprünglich aus Südamerika, wo die Inkas die sogenannten „Papas“ (zu dt: Knollen) schon 7.000 v.Chr. anbauten – im 16. Jahrhundert traten sie dann die Reise nach Europa an. Ich selbst bin bereits seit 1960 Pflanzenzüchter, ab dem Jahr 1969 habe ich mich dann der Kartoffel gewidmet – und ihr seitdem die Treue gehalten. Denn wenn man sich einmal mit der Kartoffel beschäftigt hat, kommt man nicht mehr von ihr los.

Zudem war die Kartoffel nach dem Zweiten Weltkrieg eines der wichtigsten Lebensmittel, um die Bevölkerung vor dem Verhungern zu retten – dementsprechend groß war ihr Stellenwert.

Welche Ausbildung braucht man, um (Kartoffel-)Züchter zu werden?

Als Grundlage für den Beruf benötigt man ein Studium der Pflanzenzüchtung oder ein anderes agrarbezogenens Studium. Wer dann noch viel Hintergrundwissen aus der Landwirtschaft sowie eine große Passion, Geduld und Freude am Beruf mitbringt, ist bestens für die Tätigkeit als Pflanzenzüchter geeignet.

André Nadler von Burgis im Interview mit Dr. Friedrich Papenberg, Kartoffelzüchter, vor Kartoffelpflanzen im Gewächshaus.

Dr. Friedrich Papenhagen erklärt Andre Nadler, wie man bei der Züchtung von neuen Kartoffelsorten vorgeht.

Wie geht man bei einer Züchtung vor?

Eine Sorte zu züchten bedarf Ausdauer, denn von der ersten Kreuzung bis zur Zulassung vergehen im Schnitt etwa zehn Jahre. Bei der Kreuzung legt man zunächst verschiedene Sorten als Vater- und Mutterpflanze fest; bei der Mutterpflanze öffnet man die Knospen und bestäubt diese wenige Tage später mit dem Pollen der Vaterpflanze. Wenn das funktioniert hat, setzen sich kleine Beeren an, die bis zu 300 Samen enthalten.

Kreuzungen in dieser Form führen wir pro Jahr etwa 400 Mal durch – so ergeben sich 120.000 Sämlinge, die das Potenzial haben, eine Sorte zu werden. Die Sämlinge werden im Gewächshaus in Töpfen herangezogen, von denen dann je eine Knolle geerntet wird. Nach dem Überwintern in der Lagerhalle sind dann noch etwa 70.000 Knollen übrig, die wir aufs Feld stellen – denn etwas Ausschuss gibt es immer. Die Kartoffelpflanzen werden zur Ernte im Herbst dann jeweils mit Hinblick auf das Zuchtziel beurteilt und die besten Stauden werden für die nächste Runde ausgesucht. Das sind etwa zehn Prozent der Stauden, von denen jeweils zehn Knollen erneut überwintert und dann im zweiten Jahr erstmals als kleine Parzellen angepflanzt werden. Im Herbst findet dann wieder eine Beurteilung statt. Dieser Prozess wird dann so lang fortgeführt, bis das Zuchtziel erreicht ist. Dann kann für die Sorte die Zulassung beantragt werden.

Wie unterscheiden sich die Pflanzkartoffeln von den Speisekartoffeln?

Ein wesentlicher Unterschied liegt darin, dass Speisekartoffeln komplett ausgereifte Kartoffeln sind. Der Ertrag wird hier voll ausgeschöpft. Pflanzkartoffeln reifen hingegen nicht komplett aus, damit die Sortierung, sprich die Größe der Knollen, kleiner bleibt. Ehe Pflanzkartoffeln aber als solche anerkannt werden, müssen diese auf Krankheiten überprüft und als gesund eingestuft werden.

Warum haben Sie sich bei der Züchtung gerade für die Sorte Gala entschieden?

Man züchtet nicht eine bestimmte Sorte, sondern es besteht die Anforderung, bestimmte Ergebnisse zu erreichen; sogenannte Zuchtziele. Die Züchtungsstrategie wird von den Abnehmern vorgegeben.

Vor der Wende waren in Westdeutschland andere Züchtungsziele wichtiger als in Ostdeutschland. In Ostdeutschland war ein riesiger Pflanzenpool mit robusten Sorten vorhanden, die aber nicht so geschmackvoll waren. Deshalb war es für Norika zu diesem Zeitpunkt wichtig, schnell geschmackvolle Sorten zu bekommen, um sich am westdeutschen Markt zu etablieren.
Weitere Sorten, die ich in meiner Laufbahn als Kartoffelzüchter gezüchtet habe, sind die Sorte Pirol (gut geeignet für Chips), die 2000 zugelassen wurde, und die Sorte Solist, die früheste Sorte in ganz Europa, die ihre Zulassung 1999 erhielt.

Ehe eine Kartoffelsorte auf dem Feld angebaut werden darf, vergehen etliche Jahre, denn zuvor muss die Sorte erst gezüchtet und dann von der EU zugelassen werden.

Ehe eine Kartoffelsorte auf dem Feld angebaut werden darf, vergehen etliche Jahre, denn zuvor muss die Sorte erst gezüchtet und dann von der EU zugelassen werden.

Was muss man beim Anbau der Sorte Gala beachten?

Die Sorte Gala wird im April ausgepflanzt, die Ernte erfolgt dann im September. Dabei muss man beachten, dass der Boden nicht zu leicht sein darf, da Wasser dann weniger gut gespeichert wird. Leicht meint in diesem Fall z.B. sandige Böden; schwere Böden sind ton- bzw. lehmhaltig.

Inwieweit wird die Gala in ihren Anbaueigenschaften während der Züchtung noch weiter optimiert?

Die Sorte Gala ist, so wie wir sie heute kennen, bereits sehr gut; es bedarf eigentlich keinerlei Optimierung mehr. Stattdessen nutzt man die Gala und ihre positiven Eigenschaften, indem man die Sorte für andere Kreuzungsversuche verwendet.

Wenn es darum geht, eventuell noch Kleinigkeiten verbessern zu können, dann wären das andere Reifezeiten, die Trockenresistenz und etwas mehr Stärke.

Welche Eigenschaften sind charakteristisch für die Gala? Warum ist die Gala die perfekte Sorte für Knödelspezialitäten?

Optisch fällt bei der Gala gleich die runde Form auf, zudem hat sie ein intensiv gelbes Fleisch. Sie überzeugt mit einem guten Geschmack und einem Stärkegehalt von 11 bis 14 Prozent, wodurch sie sich für viele Kartoffelgerichte und -produkte eignet. In Bratkartoffeln, Kartoffelsalat und natürlich auch Knödelspezialitäten kommt der Geschmack der Gala voll zur Geltung.

Vielen Dank für das Gespräch!