Am 11. November wird jedes Jahr das St. Martinsfest gefeiert. Dieser Tag ist voll von Bräuchen und Traditionen. Doch wer war der heilige St. Martin überhaupt? Und warum essen wir an diesem Tag traditionell eine Martinsgans mit Knödeln und ziehen mit Laternen um die Häuser?

St. Martinsfest: Was hat es mit der Martinsgans auf sich?

Martin war ein römischer Soldat, der um 316 nach Christus geboren wurde und für seine Großzügigkeit bekannt war. Laut Legende traf er an einem eiskalten Wintertag auf einen mittellosen Bettler. Aus Mitleid mit dem frierenden Mann teilte Martin kurzerhand seinen Mantel mit dem Schwert und schenkte dem Bettler eine Hälfte. In der darauffolgenden Nacht erschien ihm Jesus Christus im Traum, woraufhin er sich taufen ließ und später von den Menschen der Stadt Tours gebeten wurde, ihr Bischof zu werden. Bescheiden wie er war, hielt er sich für das Amt des Bischofs nicht würdig und versteckte sich daraufhin im Gänsestall. Die Gänse jedoch schnatterten vor lauter Aufregung so laut, dass Martin schließlich gefunden und geweiht wurde. Für diesen „Verrat“ müssen die Gänse laut volkstümlichem Brauch noch heute büßen.
Historiker liefern eine andere Erklärung für die Tradition der Martinsgans. In Zeiten des Feudalismus war der Martinstag der Tag, an dem das Pachtjahr endete und die Bauern bei ihren Lehensherren die Pacht begleichen mussten. Dies geschah oftmals in Form von Gänsen, denn diese waren beim Adel sehr beliebt. Zugleich begann am 11. November die 40-tägige, vorweihnachtliche Fastenzeit. Als letztes Festmahl kamen daher bei vielen Familien schlachtreife Gänse auf den Essenstisch.

St. Martinsfest: Knödel und Martinsgans

Als Brauch für das St. Martinsfest ist heute vor allem das Essen der Martinsgans verbreitet. Traditionell wird die Gans mit Semmelknödel oder Kartoffelknödel, wie dem Seidenknödel oder Sonntagsknödel, und Blaukraut gegessen.
Die Zubereitung der Martinsgans ist nicht ganz einfach. Wenn man jedoch ein paar Tricks beachtet, wird der Gänsebraten zum Hochgenuss. Das tolle Aroma bekommt die Gans durch ihre Füllung, die ganz klassisch aus Äpfeln, Zwiebeln und Kräutern bestehen kann. Aber auch Orangen, getrocknete Pflaumen oder Maronen eignen sich gut als Füllung. Beim Gänsebraten handelt es sich um eine ziemlich fettige Mahlzeit. Daher wird das Festessen häufig mit Beifuß verfeinert. Beifuß, auch „Gänsekraut“ genannt, gilt seit Jahrhunderten als Heilpflanze und würzendes Kraut, welches besonders fette Speisen bekömmlicher macht. Dank des Krauts liegen sie weniger schwer im Magen und schmecken zudem würziger. Eine optimal zubereitete Martinsgans ist innen zart und saftig und außen schön kross. Damit die Gans nicht austrocknet und die Haut schön knusprig und gleichmäßig braun wird, sollte sie auf einen Rost gestellt werden. Wichtig ist, ein tiefes Blech darunter zu stellen, um das abtropfende Fett aufzufangen. Während des Garens im Ofen sollte der Braten immer wieder mit Bratensaft übergossen werden. Die Gans ist fertig, wenn beim Einstechen zwischen Brust und Keule klarer Fleischsaft austritt und sich das Fleisch leicht vom Beinknochen ablösen lässt.

St. Martinsfest Martinsgans mit Knödeln

© Alexander Raths

Neben der knusprig, saftigen Martinsgans sind die Beilagen mindestens genauso wichtig. Den perfekten Knödel zuzubereiten ist gar nicht schwer, allerdings sollten ein paar Dinge beachtet werden. Für viel Lockerheit im Knödel sorgt Crème fraîche. Dafür einfach 1 EL Crème fraîche unter den Knödelteig kneten. Für einen richtigen Festtagsknödel Brotwürfel in Butter anrösten und als knusprige Füllung im Teig verstecken. Den Knödel anschließend mit angefeuchteten Händen formen. Wichtig ist es zudem, für den nächsten Schritt einen großen, breiten Topf zu verwenden. Darin haben die Knödel ausreichend Platz zum Schwimmen. In einem kleinen Topf liegen sie zu eng beieinander und verformen sich eventuell. Das Wasser sollte gesalzen sein, sobald es leicht salzig schmeckt, ist es ideal zum Knödel kochen geeignet. Das Wasser sollte auf keinen Fall sprudelnd kochen, denn sonst könnten die Knödel zerfallen. Am besten nur simmern lassen. Sind die Knödel fertig und schwimmen an der Oberfläche, ist es wichtig, die Knödel vorsichtig aus dem Wasser zu heben. Eine Gabel ist dafür nicht geeignet. Am besten eine Schaumkelle verwenden, bei der das Wasser abfließt. Danach die Knödel noch etwa zehn Minuten stehen lassen, damit sie noch lockerer werden.

St. Martinsfest: Kartoffelknödel

St. Martinsfest: Vor dem Schlemmen der Laternenumzug

Genauso wie die Martinsgans gehören auch leuchtende Laternenumzüge zum St. Martinsfest. Doch was hat dieser Brauch mit dem heiligen St. Martin zu tun? Der heilige Martin war schon zu seinen Lebzeiten sehr beliebt, so veranstalteten die Gläubigen, als er starb, eine Lichterprozession zu seinen Ehren. Zudem war es gängig im November, am Ende eines Erntejahres, ein Dankesfeuer zu entzünden. Schon damals bastelten sich die Kinder aus Stroh Fackeln und nutzten ausgehöhlte Rüben als Laternen, mit denen sie durch die Straßen zogen. Auch heute sind die bunten Laternen von den Kindern häufig selbst gebastelt und toll verziert. Zum Abschluss wird häufig ein großes Martinsfeuer entzündet und die Kinder bekommen ein spezielles, regional unterschiedliches, Gebäck geschenkt. Im Westen erhalten sie ein Hefegebäck mit Rosinen, den sogenannten Stutenkerl oder Weckmann, im Süden Deutschlands gibt es kleine Martinsgänse aus Hefe- oder Keksteig oder Laugenbrezeln. In anderen Teilen Deutschlands sind dagegen Martinsbrezeln aus Hefeteig und Hagelzucker üblich.

St. Martinsfest: Laternenumzüge

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